"Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit: Entweder du machst Licht, dort wo du bist, oder du gehst in die Sonne."

Bewältigung von Angst und Trauer

Wer sich heutzutage fürchtet, tut sich leicht(er): Er fürchtet sich VOR etwas. In der Regel davor, dass eine bestimmte Situation eintritt. Er fürchtet sich, sich oder seinerseits andere anzustecken, krank zu werden, dahinzusiechen. Also wappnet er sich mit Atemmasken, schluckt Vitamine, stärkt sein Immunsystem, isoliert sich, folgt politischen Vorgaben, raunzt andere Menschen an, wenn der geforderte Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten wird. Angst zu haben jedoch ist wie Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen. Angst entzieht sich. Wo, was, wer und wie sind die Angstgespinste, gegen die ich mein Schwert erheben kann? Kurz: Wer sich fürchtet, kann sich rüsten, kann etwas TUN. Wer sich ängstigt, glaubt sich ausgeliefert, sieht sich wehrlos, hilflos. Sogar im therapeutischen Bereich „freuen“ wir uns, wenn ein Phobiker sich zur Behandlung einfindet: Eine Phobie meint eine übertriebene Furchtreaktion in einer spezifischen Situation bzw. vor einem spezifischen Objekt, wobei sich der...

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Achtsamkeit ist seit einigen Jahren das neue Modewort: Sowohl die Psychotherapie will auf achtsamkeitsbasierte Ansätze nicht mehr verzichten, doch auch in der Selbsthilfe wird die Fokussierung auf die Gegenwart groß geschrieben. Meditation, Atemübungen, wertfreie und gegenwärtige Wahrnehmung – all das kann als Übung Bestandteil von eines achtsamen Lebens sein. Eine beliebte und einfache Übung hin zu mehr Achtsamkeit ist beispielsweise, sich auf den Atem zu konzentrieren und dadurch Distanz zu den Gedanken zu schaffen. Achtsamkeit meint, im Hier und Jetzt zu sein – ganzheitlich, also mit Körper, Seele und Geist. Das ist weitaus herausfordernder, als es ist – schweifen unsere Gedanken doch nur allzu gerne ins Gestern ab oder nehmen das Morgen vorweg. Beide, sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft, sind dabei nicht real. Erinnerungen sagen mehr über uns im Präsens aus, über unsere Befindlichkeiten, Sehnsüchte, Verletzungen, als über das, was wirklich geschah – und die Zukunft ist...

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Wenn du dich nur bewegen kannst, sagst du, bist du schneller: Schneller als deine Erinnerungen, die wie ein an der Oberfläche träger, innen brodelnder Lavastrom dahinfließen, alles mitreißend, was sich da noch traute zu wachsen. Jetzt seist du in dieser erzwungenen Entschleunigung, in diesem Allein- und Auf-dich-Zurückgeworfensein wie ein ausgebremster Hunt, auf dessen Schienen dicke Holzklötze ihn zum Stehen brachten, und dass du nicht mal wüsstest, woher du den Namen dieser alten Kohlewagen kennst, mit der Eisenbahn hättest du wenig am Hut. Und du zwinkerst deine Angst kurz weg, erzählst weiter: Dass, wenn du nicht aufpasst, sich aus dem mäandernden Glutfluss eine Erinnerung erhebt, wie eine Hand aus einem Grab um Mitternacht nach dir greift, und du siehst eine harte Faust, oder das Funkeln einer Gürtelschnalle, oder ein fratzenhaft verzogenes Gesicht, und du hörst all die Beschimpfungen, „du fette faule Sau“, „du stinkende Kuh“, und noch viel Schlimmeres, trostlose Beleidigungen,...

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Durch den vernebelten Morgenregenschleier entdecke ich eine vertraut wirkende Gestalt, einen Regenschirm über sich haltend, die steile Treppe zum Kirchlein hinaufsteigen. Ich hüpfe hoch, reiße beide Arme winkend hoch und renne ihr, immer zwei Treppenstufen auf einmal nehmend, entgegen. Erst, als die Frau einen Meter von mir entfernt ist, erkenne ich, dass ich sie eben nicht kenne. „Oh“, sage ich, „entschuldigen Sie – ich habe Sie verwechselt!“ Die Dame grinst mich an: „Das macht gar nichts – man sieht heute so selten freundliche Gesichter!“ „Ja“, stimme ich zu und halte mir eine Hand vor den Mund, „das liegt wohl auch an der aktuellen Maskerade – sie schottet uns voneinander ab!“ Und wir beginnen eine angenehme Plauderei über das, was uns als Menschen verbindet, was uns wichtig ist, während wir uns langsam einregnen lassen und das aufgehende Rosenrot die Stadt unter uns in einen zarten Farbdunst taucht. In der Mittagspause setze ich mich mit meinem Becher Gemüse draußen an ein Ende...

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Was die Zeitungen heute schreiben, ist morgen meist vergessen, Auf der Jagd nach immer neuen Schlagzeilen bleibt nicht nur manche Wahrheit auf der Strecke sondern oft auch das Bewusstsein für Persistenz und Ausmaß von Missständen. So scheint auch die gehypte „Me too-Debatte“ nicht zur zukünftigen Verhinderung von Übergriffen beizutragen. Beinahe wirkt es so, als ob das öffentliche Anprangern von Missbrauch ein transitorisches Phänomen sei. Das publike Zurschaustellen des Erlebten relativiert dabei das Ausmaß der Bankrotterklärung einer ganzen Gesellschaft und trägt seinerseits nicht zur Veränderung der Ursachen bei. Im Gegenteil: Wie ein in Gang gesetztes Perpetuum Mobile tragen die wie archaisch anmutenden Schauprozesse, die den Berühmtheitsgrad des Opfers wie des Täters tragisch steigern, nur zur Wiederholung der Missbrauchs-ursächlichen Dynamik bei. So wichtig Opferschutz und Täterverfolgung sind, so dringend und notwendig therapeutische Begleitung und ggf. auch finanzielle /...

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“We have a tendency to think in terms of doing and not in terms of being. We think that when we are not doing anything, we are wasting our time. But that is not true. Our time is first of all for us to be. To be what? To be alive, to be peaceful, to be joyful, to be loving. And that is what the world needs most.” Wenn ich diese Sätze von David Grossman, paraphrasierend, übersetze, beschreibt er unsere menschliche Neigung, uns eher im Handlungsmodus statt im Seinsmodus zu bewegen... Er meint, dass wir oft den Eindruck haben, unsere Zeit zu verschwenden, wenn wir nichts tun. Und dass dennoch unsere Zeit ganz prinzipiell dafür da ist, dass wir einfach sein können... Zeit, um lebendig, friedvoll, fröhlich zu sein, Zeit, um zu lieben... Wie können wir wissen, dass wir fröhlich sind, wenn wir keine Trauer kennen? Wie können wir wissen, dass das, was wir fühlen, Liebe ist, wenn wir nicht auch deren Verlust kennen? Ist es nicht so, dass unsere Gefühle jeweils durch ihr erfahrenes Gegenteil...

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Der ein oder andere erinnert ich an die Musik der 1980er Jahre: Eine Zeit der Neuerfindung der Individualität, eine Zeit der grellen Einfachheit, der fehlenden Beschämung, das Gute im Leben zu wollen. Eine Zeit, in der es erfüllend war, an die Macht der Liebe zu glauben. Und auch, wenn ich nie viel mit der NDW anfangen konnte, klingen mir in den letzten Tagen doch immer mehr einige Zeilen aus einem Song von Codo im Ohr: „Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt Und bring' die Liebe mit von meinem Himmelsritt. Denn die Liebe, Liebe, Liebe, Liebe, die macht viel Spass, Viel mehr Spaß als irgendwas. Objekt überwindet den Hassschirm. Ätzend, ich bin so ätzend, alles zersetzend: Ich bin der Hass. Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt Und bring' die Liebe mit von meinem Himmelsritt.“ Ich stoße an meine Grenzen des Verständnisses, wenn ich mich in dieser meiner heutigen Zeit, in dieser meiner gegebenen-gemachten Welt umblicke. Denn ich gehe fest davon aus, dass es weniger...

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Alles, was lebt, verändert sich. Manchmal kommen Veränderungen epochalen Umstürzen gleich, meistens geschehen sie schleichend, kaum bemerkt. Oft spüren wir Erinnerungen als fernes Echo des Erlebten, bemerken darüber nicht, was vielleicht lange schon verloren war. Auch die Zeit des Trauerns neigt sich einem Ende zu. In der eigenen Zeit, in der eigenen Geschwindigkeit hatte die Trauer ihre Fühler in jede Ritze des Lebens gesteckt, hat sich eingenistet, breit gemacht. Irgendwann hast du begonnen, dich an sie zu gewöhnen, hast ihr jeden Morgen Platz neben dir gemacht. Leiden und trauern sind siamesisch vereint. Sie umklammern sich in erstickender Not. Beides meint eine aktive Tätigkeit – Schmerzen haben hingegen ist passiv, Schmerzen überkommen uns ungefragt. Sie brauchen nicht bewältigt zu werden, ohne unser Zutun ergeben und entziehen sie sich. Wenn wir jedoch leiden, wenn wir trauern, beklagen wir den Verlust dessen, was uns wichtig war. Unser Leiden ist ehrfürchtig angesichts dessen,...

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In dir lebt noch immer ein kleiner Junge, oder ein kleines Mädchen. Stell dir vor: Du wächst mit der Annahme auf, dass die Welt und ihre Bewohner so gefährlich ist, dass du beständig den Schutz und die Allwissenheit deiner Eltern brauchst. Du selbst bist hilflos. Stell dir vor: Du wächst mit dir verliehenen Attributen auf, du seist für nichts zu gebrauchen, den anderen nur eine Last, zu dumm, um auch nur einmal das richtig zu erledigen, was man dir aufträgt. Nicht mal für die Müllabfuhr bist du zu gebrauchen. Stell dir vor: Du hast kranke, bedürftige Menschen in deiner Umgebung, die es zu schonen gilt – für deren Stimmung, für deren Zustand du mit verantwortlich bist. Stell dir vor: Du wächst damit auf, dass dir deine Gefühle nicht erlaubt sind, dass du verspottet wirst, wenn du weinst, dich fürchtest – oder auch lachst. Stell dir vor: Jemand öffnet von außen die Toilettentür, wenn du drinnen bist, um dich beim Toilettengang zu fotografieren – und die Fotos dann herumzuzeigen. Stell...

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